Veröffentlicht in Heimat

Hühnerkram

Dazu kommt Stadtfrau/Zugezogene ja wie die Jungfrau zum Kind: Frau Nachbarin verreist, ich kümmere mich um ihre Hühner, Ehrensache.

Hühner, das sind die, die das Frühstücksei legen. Die mit dem merkwürdig starren Blick aus winzig kleinen Augen. Die, die ich bisher nur aus der Ferne kannte. Und wenn Freunde frotzelten, ich würde ja nun auf dem Land leben, da könne ich ja auch Hühner halten, schloss ich das kategorisch aus. Nee, Hühner sind nicht mein Ding, die sind mir zu blöd.

Und nun marschiert die ehemalige Städterin am Morgen wie des Abends durchs halbe Dorf, in Gummischlappen wegen der Hühnerschiete, mit Leinenbüdel für die zu erwartende Beute, die Hühner raus lassen, versorgen, und wieder einschließen für die Nacht.

Hört sich simpel an, ist es auch, eigentlich. Dennoch blieben nach der kurzen Einweisung der Nachbarin einige Fragen offen: Morgens ist der Garten weiß, sprich gefroren, können die Viecher das ab? Wieviel Kalk brauchen die wohl? Wie kriegt man die in den Stall, wenn sie noch nicht wollen? Hinkt da nicht ein Huhn? Was ist, wenn die was Falsches aufpicken?

Nach der ersten Woche blicke ich morgens entspannt aus dem Fenster, liegen zwei Meter Schnee? Nö, also Gartenjacke übergeworfen, mit Gummischlappen und Leinenbüdel bewaffnet und los zu den Hühnis, Freude begleitet mich. Mein Kommen hören sie sofort – wusste gar nicht, dass Hühner, die ja alle kurzsichtig sind, sehr gut hören können – und kaum ist die Luke geöffnet, schreitet eines nach dem anderen heraus, auch der prächtige Hahn. Im Stall schaue ich nach dem Rechten, stelle Futter und Wasser bereit und freue mich über die braunen Eier im Nest. Manchmal sind es zwei, drei Eier, manches Mal auch nur eines. Kostbar ein jedes, das vorsichtig in den Leinenbüdel gelegt wird.

Dank Onkel Googel weiß ich nun, dass Hühner unempfindlich gegen Kälte sind, dass sie ihre Eier vorzugsweise vormittags legen, ein Hahn seine weibliche Gefolgschaft beschützt und aus eigener Beobachtung weiß ich nun, wie witzig sie sind! Den einen oder anderen Nachmittag gehe ich nun schon etwas früher zu ihnen, setzte mich auf das Bänkchen im Garten und beobachte, wie sich die unterschiedlichen Charaktere verhalten. Oft muss ich laut auflachen und mittlerweile stört das weder die Hennen noch den stets wachsamen Hahn.

In drei Tagen wird die Nachbarin aus dem Urlaub zurück sein. Kein morgendliches Eilen durchs Dorf, keine Hühnis mehr, keine leckeren Eier aus dem Nest. In meinem Garten steht ein alter Hühnerstall. Wenn wir den räumen, eine kleine Wand einziehen, rundherum ein bisschen Maschendraht ziehen, also es ginge. Schnell mal die Gartenjacke anziehen, Zollstock schnappen, messen gehen…

Autor:

Lange unterwegs gewesen und endlich angekommen.

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