Veröffentlicht in Heimat

Kürbiskernkaffee

Ist es zu früh am Morgen? Zu schlechte Sicht, weil sie mal wieder nur eine Küchenlampe eingeschaltet hatte? Oder schlicht das Alter? Keine Zeit, das heraus zu finden. Verdammt!

Wenn man noch ganz in Gedanken an den nächsten zu schreibenden Text, nach Beendigung der Morgenlektüre am Laptop, die leere Tasse schnappt und damit in die Küche schlurft, dann heißt das nächste Ziel einfach nur “Kaffee”. Nicht den schnell nach dem Aufwachen herunter gestürzten Kaffee, nein, die zweite Tasse, den Genusskaffee.

Wunderbarerweise nicht die Billig-Sparversion vergangener Tage, sondern die Luxusausführung, der mit dem Schaum oben drauf, aus dem Vollautomaten. Was für ein Wort. Vollautomat. Alles voll automatisch. Nur auf einen Knopf drücken und die Bohnen werden gemahlen, der Kaffee strömt duftend in die Tasse, das reinste Entzücken!

Vollautomatisch. Da steht man dann, noch etwas verpennt, im Hemd, Puschen an den etwas kalten Füßen und will Kaffee. Jetzt! Knopf drücken, den zweiten von links. Halt! Leuchtanzeige: “Bohnen füllen”, in rot, nicht zu ignorieren. Manno. Kaffeebohnen. Achja, hinter ihr, in der Reihe der Weckgläser, allesamt neu aufgefüllt. Haferflocken, Leinsamen, Haselnüsse, Walnüsse, Kürbiskerne, alle Gläser sogar etikettiert, alles für die neue Ernährungsweise des Mannes.

Wo einfüllen? Ach ja, rechte Seite, schmalen Deckel aufklappen, aus dem Glas klödern die Bohnen in den Schacht. Kater meldet sich, klödert da sein Trockenfutter? Nein, das ist jetzt für mich. Ich will Kaffee. Sie schüttet, es klödert, zwei Finger streichen den Berg glatt, Deckel soll geschlossen werden. Ähhh?

Kürbiskerne!! Sie hat Kürbiskerne in den Kaffee-Vollautomaten gefüllt! Mist! Mist! Mist! Verdammter! Raus damit, sofort! Der neue Automat, wenn das der Mann, der dieses Maschinchen so liebt, mit bekommt! Drei Finger passen, bei verdrehter Körperhaltung, mit angewinkeltem Arm, in den schmalen Bohnenbehälter. Langsam die Beute der drei Finger heraus schieben, es klödert wieder. Dieses Mal auf dem Küchentresen. Lass fallen, egal. Wieder und wieder schieben sich die Finger in den schmalen Kasten, auf der Suche nach möglichst vielen Kernen. Kleiner Löffel, das sollte effektiver sein. Ist es nicht, kein Gefühl da drin. Doch wieder die Finger. Zwei Finger mittlerweile. Sie müssen sich tief in den Schacht, unter jenen merkwürdigen Querstreben hindurch schieben, ertasten einzelne Kerne, schieben diese nach oben, bis es wieder klödert.

Der hoffentlich letzte Kürbiskern wurde mit angehaltenem Atem ganz tief im Schacht unter einer das Mahlwerk abdeckenden Kunstoffscheibe mit hoch sensibillisierten Fingerspitzen heraus gezogen. Geschafft! Und jetzt das Glas mit den Kaffeebohnen, Bohnen jawoll!, geschnappt und in den nun geleerten Schacht dieses Automatens geschüttet.

Endlich! Silbernen Knopf, zweiten von links drücken, es mahlt geräuschvoll, der Kaffee strömt duftend in die Tasse, oh, wie wunderbar! Jetzt noch ein Schuss Milch, nein, es ist kein wunderbarer Morgen! Milchtüte ist leer, Packung klingt ganz hohl…

Autor:

Lange unterwegs gewesen und endlich angekommen.

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